Vom Hindernis auf dem Weg

Ich bin in der Eiffel, unmittelbar vor der unsichtbaren Grenze nach Deutschland; zu meinem Linken befindet das Gleis der Belgischen Bahn. Von weitem vernahm ich vor etwa zehn Minuten ein dumpfes Krachen. Als ich näher kam, erkannte ich einen Baum, der genau über das Gleis fiel. Irgendwie fühlte ich mich verantwortlich die Belgische Bahngesellschaft anzurufen, nur hatte ich weder Nummer noch Guthaben. Als ich schließlich am Ort vorher eine Telefonzelle ausfindig machte, die es hier glücklicherweise noch gibt, fand ich auch recht schnell die Nummer der Bahn. Nach zehn Minuten Bespaßung am Sprachautomat, hatte ich schließlich Kontakt zu einem Menschen; und das live.

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„Guten Tag, ich heiße NR und möchte einen Störfall melden. Ein Baum ist soeben über das Gleis gefallen. Die Stelle befindet sich zwischen dem Ort X und Y.“

„Guten Tag, waren Sie das mit dem Baum?“

„Wie bitte? Wie meinen Sie das?“

„Ich meine, Sie haben ja nichts mit dem Fall des Baumes zu tun, richtig?“

„Würde ich in dem Fall anrufen? Eine komische Frage. Nein!“

„Gut, dann müssen sie unter allen Umständen dennoch vor Ort warten bis die Polizei kommt, haben Sie das verstanden?“

„Ja, aber ich muss trotzdem weiter. Ist es nicht schon erfüllte Bürgerpflicht dass ich angerufen habe?“

„Bleiben Sie bitte vor Ort!“

„Aber… ok, vergessen Sie es. Ich warte! Aber bitte richten Sie den Polzisten aus dass ich es eilig habe!“

 

Schon hatte der Mensch aufgelegt. Eine halbe Stunde später kam die Polizei mit zwei Einsatzwägen der Marke Skoda, darin je vier Mann.

„Guten Tag! Sind Sie der Herr der das hier gemeldet hat?“

„Ja“

„Bitte füllen Sie das Meldeprotokoll aus!“

„Natürlich“

„Waren Sie hier als er umfiel?“

„Nein, aber ich konnte es hören, erreichte den Ort ca. 10 Minuten später.“

„Haben Sie Menschen gesehen die das hätten machen können?“

„Nein“

 

Die anderen sieben Männer untersuchten die Abknickstelle des Baumes, drei davon telefonierten simultan wie wild; wahrscheinlich um den nächsten ankommenden Zug zu informieren.

„So, danke für`s Ausfüllen. Sie können nun gehen.“

„Alles klar, danke und tschüss!“

„Ach, vielleicht noch ein Detail für Sie. Diese Strecke wird seit 5 Jahren nicht mehr befahren.“

„Was? Aber warum sagt mir das denn keiner?“

„Na ja, zunächst mal sollen trotzdem keine Bäume auf Schienen liegen. Das sieht ja nun nicht schön aus.“

„Ähm, ok, aber gefährlich ist es ja nicht gerade. Ich dachte bis eben dass ein Zug im Anmarsch sei!“

„Da dachten Sie falsch! Schönen Tag!“

Ich kam mir veralbert vor; wie auch hätte ich das wissen sollen dass… Und überhaupt, reine Zweitverschwendung. Empört und sauer, legte ich einen Gang zu und erreichte meine Etappe an dem Tag fast noch wie geplant.

 

2 Thoughts.

  1. Hm, vielleicht, aber alles war so sauber und gepflegt außenherum. Nur ein Fachmann, dessen Vater mit Spielzeugeisenbahn spielt, oder Angestellter der Belgischen Bahn, vermag die Ungenutztheit der Schienen zu sehen… )

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