Die Zeit im Blick

In den letzten Tagen haben sich die Ereignisse überschlagen. Ich hatte versucht zu fokussieren doch stattdessen ist der Zufall, einmal mehr, Herr über mein Schaffen. Zu sehr beeinflussen mich die Begegnungen mit den Menschen und mit der Landschaft. Ich wollte die Methode ändern, doch es liegt mir nicht; es liegt mir nicht die Methode zu ändern, schon gar nicht bei der knappen Zeit, die noch bleibt.  Es ist bezeichnend dass meine analoge Uhr und meine digitale Uhr eine unterschiedliche Zeit anzeigen. Die Analoge zeigt etwa, seit zwei Tagen entweder 3 Stunden und 33 Minuten früher oder aber 9 Stunden und 57 Minuten später an und das jeweils plus-minus 12 Stunden (0-12h & 13-24h). Was ist mit der Zeit geschehen? Reise ich schon durch sie hindurch, wie in den Sci-Fi-Serien, wenn die Autoren nicht mehr wissen was es zu erzählen gibt, oder ist die Zeit etwa verloren gegangen?

Über Gott und die Welt

Ich versuche anhand der Tätigkeit der Personen Fragen an sie zu stellen die ihrem Lebens und Arbeitsumfeld entsprechen, denn nur im seltensten Falle ergeben sich interessante Gespräche außerhalb der Interessensbereiche, die mehr als nur Allgemeinplätze austauschen, sobald die gemeinsame Gesprächsgrundlage verlassen wird; vor allem dann wenn es um Persönliches geht. Manche Menschen kann man jedoch erstmal nicht einschätzen, oder eben nur falsch, dann entstehen die wirklich interessanten Gespräche parallel zur eigentlichen Gesprächsgrundlage. Am Gang eines Menschen kann man übrigens auch nichts über sein Wesen oder den sozialen Status ablesen habe ich gelernt.

 

Zwischen Gott und der Welt

Kurz vor Mannheim ist er plötzlich da. Er trägt zwar keinen Hut doch einen Bart, sieht nicht aus wie ein John oder Frank, sein Name sollte Thomas sein; schwarze Kleider und nur einen kleinen Rucksack. Wie ein Wanderer im klassischen Sinne sah er nicht aus, eher wie ein Stadtflaneur oder aber ein Landstreicher, dafür wiederum zu wenig heruntergekommen. Er ist mir auf Anhieb sympathisch und trägt etwas Vertrautes in seiner Art. Wir laufen ein Stück zusammen. Wo er her kommt will er mir nicht sagen, auch nicht wo er „wirklich“ herkommt.

 

Zwischendurch begegnen wir anderen Personen. Er bemerkt meine Arbeitsweise und fragt ob es, „zwar nicht moralisch“, aber rein rechtlich nicht problematisch sei, Leute ohne ihr Einverständnis aufzunehmen und die Gespräche für den Film zu verwenden. Ich sage ihm, „Filmemachen ist eine Grauzone“.

Über vieles, das hier keine Erwähnung finden kann, haben wir gesprochen. So plötzlich wie wir uns begegnet sind trennen wir uns ohne großen Abschied auch wieder.

Bis bald mein Freund

 

Während der letzten Tage bin ich viel an Weinbergen vorbei gekommen. Am Ortseingang eines winzigen Ortes vor Mainz, finde ich ein altes Haus mit Garten von wo aus ich das ganze Gebiet überblicken kann. Dort schlage ich mein Zelt auf. Als es dunkel genug ist steige ich hinab, auf der Suche nach Menschen, doch ich finde nur Katzen die mich in der Dunkelheit begleiten. Ich werde zum Cliche: ein Fremder der des Nachts herumstreunert. Es ist mir unangenehm also steige ich wieder zurück hinauf auf meinen Weinberg.

Am nächsten Morgen laufe ich wieder durch flaches Gelände. Regelmäßig hängen die Rucksäcke der Saisonarbeiter an den Rebstöcken. Ich frage mich kurz was sie darin wohl mit sich tragen. Am naheliegendsten wäre es etwas zu trinken und zu essen darin zu finden. Ich mache mir einen Spaß daraus in den einen Rucksack eine Banane, einen Apfel und eine halbe Packung Nussmischung hineinzulegen.

Im Tal treffe ich endlich einen Winzer. Er beantwortet alle meine Fragen, unter anderem auch die, ob die Felder auf ebener Fläche auch Weinberge genannt werden. „Ja, dort werden in der Regel die schlechteten Sorten angebaut“. Er empfiehlt mir wieder im hügeligen Gelände zu laufen, dort soll es landschaftlich, mit Ausnahme der Wimdräder im Hintergrund, besonders schön sein.

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Ich komme per Zufall an die Gedenkstätte des KZ Osthafen

 

Ich brauche viel Zeit, die Audiofiles anzuhören und für diesen Beitrag auszuwählen. Ich fasse mich also kurz und fasse in zehn Worten meine bisherige Reise zusammen.

Stadt – Land – Fluss – Weg – Mensch  – hier – dort – sein – wieder – fremd

 

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