High Noon

Wo zwei Straßen sich kreuzen entsteht eine Stadt, heißt es bei Harun Farocki.

Wo sich drei Wege kreuzen entsteht ein Film, möchte man in unserem Fall meinen. 

Welcher wäre also ein geeigneter Ort für unsere Wegkreuzung und somit der Abschluss für den Film?

Ein nicht realer Ort? Eine Verneinung des Treffens? Etwa indem wir aneinander vorbei gehen? Uns gewissermaßen verpassen, verlieren, ignorieren oder uns verirren?

Bild, Text und Ton würden in dem Fall keine Synchronisation finden. Vielleicht braucht es die auch nicht.  Was braucht es dann? Was für ein Bild, was für einen Text und was für einen Ton? Reicht ein einfaches Hallo und Tschüss?

Jeder kennt das Gefühl, wenn man sich nach einer längeren Zeit mit Vorfreude auf das Wiedersehen, mit jemandem trifft. Meistens wird die Erwartung auf das Treffen nur enttäuscht; so ist es jedenfalls zumeist bei sich Liebenden. Um diesem Ur-fehler des menschlichen Miteinander entgegenzuwirken, wurde wohl das happy-end erfunden. Das, vor dem Hintergrund dass, jede Erzählung einer Reise gleicht und somit eine Entwicklung durchmacht: das Ausbrechen aus der gewohnten Umgebung, um nach dem Abenteuer, verändert wieder zurückzukehren. Meistens hat sich dann etwas geändert, entweder in der einstmaligen gewohnten Umgebung oder aber in einem selbst. Hält der Charakter dieser Entwicklung nicht Stand, braucht es ein happy-end: Protagonist und Zuschauer sind miteinander verschmolzen; der Trick mit der Identifikation ist gegelungen und alles wird wieder gut.

Mit happy-end ist nicht die Katharsis gemeint, denn die gab es schon zu Zeiten Aristoteles, als der Mensch noch in der Lage war, der Poetik verschiedener Kunstformen, seine vollste Aufmerksamkeit zu schenken. (Leider galt das nur für diejenigen gehobenen gesellschaftlichen Standes; so ist es mit der Zeit und Aufmerksamkeit für die schönen Dinge heute nicht viel anders)

Wären es ein Western, gäbe es ein shoot-out. Wer sackt das Gold am Ende ein? Der Gute, der Böse oder der Hässliche? 

Würde ich meinem bisherigen Verfahren folgen, müsste es ein Gespräch geben; womöglich eines indem diese Fragen verhandelt werden würden, d.h. In der Bäckerei traf ich für gewöhnlich den Bäcker, wo treffe ich dann den Filmemacher oder den Künstler? Laut einem Passanten in Karlsruhe trifft man die Künstler nicht einfach auf der Straße, sondern im Atelier. Folgerichtig treffe ich den Autor eines Films auf dem Set. Bei einem Film dessen Set bisher auf Frankreich, Belgien, die Schweiz und Deutschland verteilt war, kann also nur der Ort des finalen Treffpunkts für das finale Setting geeignet sein, sonst hätte ich nur inkonstante Variablen bei denen es zu keiner Überschneidung kommen könnte.

Wie muss man sich den Treffpunkt also vorstellen? Ein austauschbarer Ort, der überall auf der Strecke gelegen haben könnte: ein Feld, eine Kreuzung, ein Bahnhof, eine Kneipe, ein Parkplatz, ein Lagerfeuer.

Wichtig wäre ein Ort der bei einer Wegbeschreibung auffindbar wäre, ein sog. Landmark. Ein auffälliger oder leicht erkennbarer Ort in der Landschaft; etwas das man kaum verfehlen kann.

In den Westernfilmen findet der shoot-out meistens um zwölf Uhr Mittags, auf der einzigen Hauptstraße des Ortes, zwischen Saloon, Bank und Büro des Sheriffs statt. Heute wäre das wohl ein Marktplatz, mit links einem Bäcker, rechts einem Metzger und irgendwo noch ein Drogeriemark.

Das scheint mir noch nicht das richtige Ende zu sein. Vielleicht doch lieber im Schittraum, überhaupt keines, oder doch hier?

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