Konzept

Mit dem filmischen Experiment „Drei Wege“ möchten die drei Mitglieder der Filmischen Initiative Leipzig (FILZ) Emerson Culurgioni, Jonas Matauschek und Nicolas Rossi die Entstehung eines Films untersuchen. Abschiednehmend von drei einflussreichen Essayfilmemachern, widmet sich jedes Mitglied einem einzelnen Medium in Form eines Totenmarschs vom jeweiligen Sterbeort der Filmemacher. Ziel ist „Mitte“, der geografische Ort der Zusammenkunft, an dem erstmals die Ebenen Bild, Text und Ton zusammenfinden. Einzig der Moment des Treffens ist aus filmischer Sicht synchron und wird somit den Anfang des Filmes darstellen.

Auf dem Weg zu Fuß von Paris, Zürich bzw. Berlin zur „Mitte“, reflektieren die Teilnehmer über filmische Fragen anhand des Lebenswerks des jeweiligen Künstlers. Auf der einen Seite stellt die Wanderung metaphorisch eine Art umgekehrter Totenmarsch (vom Sterbeort weg) da – andererseits findet aber auch eine Annäherung statt; nämlich die zur eigenen künstlerischen Handschrift. Der Film ist in Kapiteln strukturiert, die jeweils thematisch-inhaltlichen Begriffen zugrundeliegen. Alle Teilnehmer beschreiten ihre Route unter Berücksichtigung dieser Begriffe, sodass bei der Montage die Schichtung vereinfacht wird.

Chris Marker, ein einstiger Sartre-Student, ist maßgeblich beteiligt an der Prägung des Begriffs „Essayfilm“. Seine Filme bestechen vor allem durch lyrische bzw. poetische textuale Qualitäten. Peter Liechti ist ebenfalls dem Genre zuzuordnen; dessen Klangcollagen sind jedoch von herausragender Bedeutung für viele seine Werke. Schließlich gilt Harun Farocki als der Godard Deutschlands. Sein gleichwohl analytischer wie kritischer Blick den Bilder gegenüber, machte ihn zu einem Vorreiter des Videosessays. Allesamt untersuchten die Gestaltungs- bzw. Wirkungsebenen hin zum Film in einer solch einzigartigen Art und Weise, dass die Filmemacher Culurgioni, Matauschek und Rossi immer wieder in ihrem eigenen künstlerischen Schaffen damit konfrontiert werden. Die Werke der Vorbilder geben oftmals keine Antworten; vielmehr stellen sie Fragen. Fragen sind es auch, die der Film „Drei Wege“ stellen möchte. Wo beginnt die Emanzipation von einflussreichen Künstlern, wo die Abstraktion? Was darf mitgenommen werden von vormaligen Erkenntnissen anderer, und was gilt es womöglich weiterzuentwickeln oder aber zu revidieren? Durch die Aufteilung der basalen Gestaltungsebenen Ton, Text und Bild, erfährt jede Ebene eine intensive Auseinandersetzung; anhand von ihnen werden filmischen Grundfragen untersucht bzw. die Herangehensweisen der verstorbenen Filmemacher mit den eigenen kontrastiert. Der Film erhält sein Gesicht beim Schnitt; hier werden die einzelnen Versatzstücke zu einer künstlerischen Behauptung konstelliert, deren Ursprung und Motivator die Liebe zur Filmkunst ist, aber auch die Überlegung, welche Aufgabe der interventionistische Film der Zukunft haben wird.

Drehbeginn: 07.05.2015

Mit Freundlicher Unterstützung von:

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1 Thought.

  1. Merci für diese anregenden Zeilen. Ich wünschte an der Stelle, ich würde die anderen Ebenen bearbeiten… Bis bald

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